Mädels und Jungs für Technik begeistern

„Insbesondere im Bereich der so gennannten MINT-Berufe (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) offenbart sich ein zunehmender Fachkräftemangel. Dabei ist das Land Baden-Württemberg bundesweit am stärksten betroffen. In diesem Bereich kommen derzeit rechnerisch 2,13 offene Stellen auf eine arbeitslose Person“, betonte die Landtagsabgeordnete Friedlinde Gurr-Hirsch im Rahmen einer von ihr initiierten Veranstaltung zur Nachwuchsgewinnung bei Technik- und Ingenieurberufen. Gemeinsam mit der Südwestmetall Bezirksgruppe Heilbronn/Region Franken und dem Wirtschaftsrat der CDU e.V. konnte die CDU-Politikerin zahlreiche erstklassige Referenten gewinnen und so die mehr als 50 interessierten Gäste über aktuelle Initiativen der frühzeitigen Nachwuchsgewinnung informieren. „Naturphänomene, Technik und Mathematik sind Teil der kindlichen Lebenswelt und üben eine große Faszination gleichermaßen auf Jungen und Mädchen aus. Sie haben ein natürliches Bedürfnis, die sie umgebenden Erscheinungen der Natur zu verstehen. Hier kann und muss angesetzt werden, um den Fachkräftemangel langfristig zu bekämpfen“, konstatierte Friedlinde Gurr-Hirsch. Ziel müsse es sein, Kinder zu ermutigen, Technik auszuprobieren, neue Wege zu gehen, Hemmschwellen abzubauen und sich ein Bild von der Welt der Technik zu machen.
 
Seitens der Wirtschaft gibt es zahlreiche Initiativen zur Förderung der Technikbegeisterung im Kleinkindalter. Beispielhaft ist das Projekt TECHNOlino vom Arbeitgeberverband Südwestmetall. „Im Rahmen dieses seit 2006 bestehenden Projektes werden Forscherecken in Kindergärten errichtet. Außerdem können die Mädchen und Jungen durch enge Kooperationen mit Unternehmen vor Ort Einblicke in die Arbeitswelt erhalten und technische und naturwissenschaftliche Phänomene hautnah erleben und erproben“, erläuterte der Geschäftsführer der Südwestmetall Bezirksgruppe Heilbronn/Region Franken Rolf Blaettner.
 
Weitere regionale Initiativen sind Technikworkshops des Vereins Faszination Technik e.V., die Martina Forstreuter-Klug vorstellte oder die Girl`s Day Akademie des Vereins Furiosa e.V., dem Wilma Sanio vorsteht. Darüber hinaus lieferten Carola Kammerlander und Carolin Stiefel von KONZEPT-e Einblicke in ihre technikorientierte Konzeptionen von betrieblichen Kinderbetreuungseinrichtungen.
 
Dr. Birgit Buschmann, die das Referat „Wirtschaft und Gleichstellung“ im Ministerium für Finanzen und Wirtschaft Baden-Württemberg leitet, ging in ihrem Vortrag auf die Wirksamkeit der vielfältigen Initiativen ein. Um diese zu verbessern, sollten die Angebote gebündelt und nachhaltig verankert werden. „Es gibt nicht das eine gute Projekt, sondern eine Vielzahl guter Initiativen, die unter einheitlichen Rahmenbedingungen eine bessere Wirkung erreichen könnten“, hob Dr. Birgit Buschmann hervor. Sie setzt sich dafür ein, langfristige und abgestimmte Angebote entlang der gesamten Bildungskette zu schaffen.
 
Beim anschließenden Podiumsgespräch mit Bernd Georg Rathke vom Wirtschaftsrat der CDU e.V., Sonja Fischer von der Kindergartenfachberatung bei der Stadt Heilbronn, dem Leiter des Staatlichen Schulamtes Heilbronn Wolfgang Seibold sowie zwei Studenten vom Deutschen Jungforschernetzwerk standen die Lernbedingungen der jungen Menschen im Mittelpunkt. Dabei wurde deutlich, dass Bildungsangebote im Bereich Technik idealerweise nicht in der Schule stattfinden, sondern vor Ort in den Betrieben und Werkstätten angeboten werden. „Ein enger Praxisbezug motiviert die jungen Menschen und gibt ihnen eventuell auch Berufsorientierung. Darüber hinaus müssen unsere Pädagogen durch entsprechende Fortbildungen auf die Vermittlung von Technikthemen besser vorbereitet werden. Hier ist das Kultusministerium gefragt, die Bereiche Naturwissenschaft und Technik verstärkt im Unterricht einzubauen“, so Gurr-Hirsch abschließend.
 
MK

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