Vor dem Hintergrund des derzeitigen Mangels an geeigneten Fach- und Führungskräften können wir uns eine Verschwendung weiblichen Talents nicht leisten

Ab 2016 will der Bund für die Aufsichtsräte von voll mitbestimmungspflichtigen und börsennotierten deutschen Unternehmen eine Frauenquote von mindestens 30 Prozent vorsehen. Um einen Überblick über die aktuelle Situation und die Förderung weiblicher Führungskräfte in den Unternehmen in Baden-Württemberg zu schaffen, stellte die Landtagsabgeordnete Friedlinde Gurr-Hirsch eine parlamentarische Anfrage an die Landesregierung. Daraus ist zu entnehmen, dass der Anteil von Frauen in Führungspositionen mit steigender Betriebsgröße abnimmt. Während in Kleinbetrieben der Anteil von Frauen auf der obersten Ebene mit 28 Prozent und in der zweiten Führungsebene mit 43 Prozent überdurchschnittlich hoch ist, sind in Großbetrieben mir mehr als 500 Beschäftigten nur noch 10 Prozent der Positionen in der obersten Führungsebene und 16 Prozent in der zweiten Führungsebene von Frauen besetzt. Dabei werden über die verschiedenen Branchen hinweg deutliche Unterschiede sichtbar. „So ist in Branchen wie dem Verarbeitenden Gewerbe und dem Baugewerbe der Anteil von Frauen in Führungsebenen deutlich geringer als im Handel, im Bereich Dienstleistungen sowie im Öffentlichen Dienst“, hob Friedlinde Gurr-Hirsch hervor.
 
Um den Frauenanteil in Führungspositionen anzuheben, sind strukturelle Veränderungen in der Unternehmenskultur notwendig. „Dazu zählt die Flexibilisierung von Arbeitszeitmodellen ebenso wie die vollständige Chancengleichheit von Frauen und Männern“, forderte die frauenpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion. Eine nachhaltige Veränderung der Unternehmens- und Führungskultur hänge allerdings entscheidend davon ab, dass diese von der Firmenleitung getragen und in der Unternehmensstrategie und Personalpolitik durch konkrete Leitlinien und Maßnahmen auf allen Ebenen verankert und umgesetzt werde.
 
Dies gilt nicht zuletzt auch für die Unternehmen mit Landesbeteiligung. „Grün-Rot muss bei den öffentlichen Unternehmen im Land mit gutem Beispiel voran gehen. Angesichts des zunehmenden Fach- und Führungskräftemangels können wir es uns nicht mehr leisten, auf gut qualifizierte Frauen in Führungspositionen zu verzichten“, betonte Friedlinde Gurr-Hirsch.
 
MK

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