Bundesstaatssekretär Dr. Gerd Müller MdB in Lauffen

Auf Einladung des Vorstandsvorsitzenden Ulrich Maile sowie der beiden Abgeordneten Eberhard Gienger MdB und Friedlinde Gurr-Hirsch MdL besuchte Staatssekretär Dr. Gerd Müller aus dem Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz die Lauffener Weingärtnergenossenschaft. Dabei ging es insbesondere um die europaweite Verlängerung des Weinanbaustopps sowie die Bewirtschaftung von Mauerweinbergen.
 
Hintergrund sind die derzeitigen Verhandlungen auf europäischer Ebene zur zukünftigen EU-Agrarpolitik, die in den nächsten Monaten zu einem Abschluss geführt werden. „Während Deutschland darauf drängt, dass im besten Falle alles so bleibt wie es ist und keine neuen Flächen für Rebanpflanzungen freigegeben werden, drängen insbesondere Spanien und Portugal auf eine Liberalisierung des Weinanbaus“, erläuterte Dr. Gerd Müller. Als Kompromiss zeichnet sich derzeit ab, dass es eine Verlängerung des Weinanbaustopps bis in die Jahre 2023 bis 2030 geben wird, wobei allerdings jährlich eine Ausweitung der Rebflächen im Bereich 0,5 bis 1 Prozent des jeweiligen Bestandes zugelassen werden soll. „Langfristig hätte das erhebliche wirtschaftliche Konsequenzen für den Weinbau in Württemberg“, so Gurr-Hirsch, die sich als baden-württembergische Staatsekretärin für den Ländlichen Raum in Brüssel stets für die Beibehaltung des Anbaustopps im Weinbau eingesetzt hatte.
 
Am Gespräch nahmen neben Ulrich Maile und den CDU-Politikern unter anderem auch Bürgermeister Klaus-Peter Waldenberger, der Vorsitzende des Bauernverbandes Heilbronn-Ludwigsburg Helmut Eberle sowie Vorsitzende und Vorstandsmitglieder umliegender Weingärtnergenossenschaften und zahlreiche Winzer aus Lauffen und Umgebung teil. Sie alle teilten die Meinung, dass der terrassierte Steillagenweinbau keine Chance hat, wenn der Weinanbaustopp in Europa weg fällt und seitens der Politik kein Bewirtschaftungsausgleich erfolgt. „Da der Arbeitsaufwand in den Steillagen etwa um den Faktor drei höher ist als bei Rebanlagen in der Ebene, muss auf ein Programm gedrängt werden, das die Bewirtschaftung von Steillagen jährlich fördert“, betonte Friedlinde Gurr-Hirsch. „Sonst haben wir in wenigen Jahren verkarstete Landschaften“, ergänzte Klaus-Peter Waldenberger.
 
Ulrich Maile brachte die Forderungen des Berufstandes vor, wonach es jährlich 5000 Euro pro Hektar für die Bewirtschaftung von Mauerweinbergen geben soll. „Da davon auszugehen ist, dass die Weinanbauflächen zukünftig jedes Jahr um 0,5 Prozent bis 1 Prozent ausgeweitet werden dürfen, muss sich die Politik um das Thema Steillagenweinbau kümmern“, so Maile. Für Dr. Gerd Müller hat die Landschaftserhaltung höchste Priorität. „Um den Ländlichen Raum für die Bevölkerung und die Wirtschaft attraktiv zu halten, müssen die Anliegen der Weinwirtschaft auf europäischer Ebene kraftvoll vertreten werden“, hob der Bundesstaatssekretär hervor. Als langjähriger Kämpfer für die bäuerliche Landwirtschaft will er sich für den traditionellen Weinbau und den Erhalt der Kulturlandschaft einsetzen.
 
Darüber hinaus wurde von Helmut Eberle das Thema „Greening“ angesprochen. Er kritisierte, dass sich die Europäische Kommission zum Ziel gesetzt hat, dass landwirtschaftliche Betriebe mit mehr als 15 Hektar Acker- und Dauerkulturfläche ab 2018 mindestens sieben Prozent ihrer Fläche als so genannte „ökologische Vorrangflächen“ bereitstellen müssen. Derzeit, das heißt ab 2015, sind fünf Prozent vorgeschrieben. „Wenn eine weitere Ausweitung der ökologischen Vorrangflächen schon nicht verhindert werden kann, dann muss diese so gering wie möglich ausfallen“, forderte Friedlinde Gurr-Hirsch und bat Dr. Gerd Müller darum, sich bei den anstehenden Verhandlungen auf EU-Ebene für die Interessen der bäuerlichen Landwirtschaft einzusetzen.
 
MK

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