"Viel Wind um nichts?"

Chancen und Grenzen der Windkraft im südlichen Landkreis Heilbronn

Infolge der verheerenden Reaktorkatastrophe von Fukushima leitete die CDU-geführte Bundesregierung im Jahr 2011 die Energiewende ein und beschloss den Ausstieg aus der Atomkraft. „Um diese Energiewende zu schaffen, spricht sich die CDU-Landtagsfraktion dafür aus, den Anteil der Windkraft an der Bruttostromerzeugung für Baden-Württemberg auf zehn Prozent zu erhöhen. Fünf Prozent dieses zusätzlichen Windstroms sollen im Südwesten erzeugt werden und die anderen fünf Prozent sollen durch importierten Windstrom abgedeckt werden“, betonte die Landtagsabgeordnete Friedlinde Gurr-Hirsch im Rahmen einer Informations- und Diskussionsveranstaltung zur Windkraft im Tagungshaus auf dem Michaelsberg in Cleebronn. Dabei kritisierte die CDU-Politikerin die unrealistischen Ausbaupläne der grün-roten Landesregierung, die bis zum Jahr 2020 in Baden-Württemberg 1.200 zusätzliche Windkraftanlagen bauen will. „Die Entwicklung der Windenergie in Baden-Württemberg stagniert. Im letzten Jahr wurde keine einzige neue Anlage eingeweiht“, so Gurr-Hirsch.
 
Gastreferent der gut besuchten Abendveranstaltung war der Direktor des Regionalverbands Heilbronn-Franken Klaus Mandel, der objektiv und kompetent die Gesamtsituation der Windkraft in Baden-Württemberg beleuchtete und dabei insbesondere auf die Ausbaumöglichkeiten in der Region Heilbronn-Franken einging. Hierfür wies der Regionalverband vor wenigen Wochen 26 Vorrangflächen aus. Dabei galt es neben der entsprechend notwendigen Windhöffigkeit zahlreiche weitere Faktoren zu berücksichtigen. „Vor allem der Schutz der Bevölkerung vor Lärm und Schattenwurf, die Belange des Naturschutzes sowie die Beeinträchtigung von Wirtschaft und Tourismus durch Windkraftanlagen dürfen nicht vernachlässigt werden“, hob der Regionalverbandsdirektor hervor. Nach Berücksichtigung dieser Kriterien gebe es im Zabergäu keine Vorrangflächen. „Auch einen möglichen Standort in der Nähe des Michaelsbergs beurteilen wir negativ. Dabei handelt es sich um ein regional bedeutsames Kulturdenkmal, das bewahrt werden muss“, so Klaus Mandel. Der Verband Region Stuttgart, zu dem auch die Kommunen des benachbarten Landkreises Ludwigsburg zählen, sieht das anders. Dieser prüft nur wenige Meter von der Kreisgrenze entfernt auf dem Gebiet der Stadt Bönnigheim die Ausweisung von Vorrangflächen. Dies hat auch damit zu tun, dass es in der Region Stuttgart durch eine dichte Besiedlung nur vergleichsweise wenige Freiflächen gibt, auf denen Windkraftanlagen zulässig sind. Damit drohe durch die unkoordinierte Vorgehensweise der Landesregierung laut Friedlinde Gurr-Hirsch ein neuer Riss zwischen ländlichen Räumen und Verdichtungsräumen.
 
Im Verlauf des Abends entbrannte eine engagierte und kontroverse, aber stets sachliche Diskussion zwischen Befürwortern und Gegnern der Windkraft. Dazu trugen auch Helmut Fischer vom Erlebnispark Tripsdrill sowie Vertreterinnen und Vertreter der Bürgerinitiative Naturpark Stromberg-Heuchelberg e.V. bei, die sich insbesondere um die Zukunft des Naherholungsgebietes sowie um den alten Baumbestand, der für die Anlagen geopfert werden müsste, Sorgen machen. Der Vorsitzende der CDU Cleebronn, Bernd Schellenbauer, sprach sich ebenfalls vehement gegen die 140 Meter hohen Windkraftanlagen aus. „Dies wäre eine viel zu starke optische Beeinträchtigung unserer wertvollen Kulturlandschaft“, konstatierte Bernd Schellenbauer und erntete dafür viel Beifall von Seiten der anwesenden CDU-Gemeinderäte. „Ein Dreiergespräch mit dem Direktor des Regionalverbands Heilbronn-Franken Klaus Mandel, dem Planungsdirektor des Verbands Region Stuttgart Thomas Kiwitt sowie Bürgermeister Thomas Vogl wäre in dieser Sache sicherlich zielführend“, schlug Friedlinde Gurr-Hirsch abschließend vor.
 
MK

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